17.04.2026
Am 8. April verstarb Gerd Winner, der als Künstler unsere Kirche wesentlich gestaltet hat.
Das Requiem fand am Freitag, 24. April um 10:00 Uhr in unserer Kirche statt.

Gerd Winner war das, was man einen Vollblutkünstler nennt, ein Mensch voller Energie und mit einem schier unerschöpflichen Vorrat an Gestaltungsideen bis ins hohe Alter hinein. Es ist ihm nicht leichtgefallen, sich aus gesundheitlichen Gründen mehr und mehr aus der gewohnten Betriebsamkeit zurückziehen zu müssen. Bei seinem letzten Besuch im Kloster mit Martina und Marian gingen wir in die Kirche. Dort saß er eine Zeit lang, es war ganz still und es fühlte sich an wie ein Abschied. Abschied auch von „seiner“ Kirche.
Die Dominikanerkirche – „seine Kirche“ – trägt seit 40 Jahren Gerd Winners Handschrift.
Das beginnt mit der Gestaltung des Kirchenvorplatzes, des Kirchenportals, des Orgelprospektes und der Empore, des Wandbildes im Saal und natürlich – ganz zentral – mit dem monumentalen Altarbild „Kreuztrilogie“, es setzt sich fort mit dem Kreuzweg auf der rechten Seite. Die Marienkapelle auf der rechten Seite haben Gerd Winner und seine verstorbene erste Frau, die Künstlerin Ingema Reuter gemeinsam gestaltet. Von ihr stammen die vier großen Bilder auf der linken Seite – „Fra Angelico befragt“. Sie hängen hier seit dem Requiem, mit dem wir 1998 von ihr Abschied genommen haben.
Bei seinem 75. Geburtstag im Jahr 2011 hat Gerd in einem Gespräch mit Martin Jasper Folgendes gesagt:
„Den Glauben habe ich mit der Muttermilch aufgesogen. Der ist die Basis meiner Kunst. Die Suche nach Spiritualität in der Meditation, die vielen Reflexionen zwischen Himmel und Erde, das ist die Ur-Sache. Ich habe immer auf die Frage geantwortet: Sind Cezannes gemalte Äpfel per se christlich? Nein. Aber sind sie deswegen unchristlich? Man kann ja die ganze Schöpfungsgeschichte darin sehen. Diese Reflexion bleibt offen. So ist das auch bei meinen Bildern. Ich gebe keine Lösungen mit. Meine Bilder sind Fragen.“ (Gerd Winner im Gespräch mit Martin Jasper, 8.10.2011 am 75. Geburtstag)
Zwei Aussagen finde ich bemerkenswert. Zum Einen:
„Den Glauben habe ich mit der Muttermilch aufgesogen. Der ist die Basis meiner Kunst.“ Ihm war ein nicht unbefragtes aber trotz allem ungebrochenes Gottvertrauen zu eigen. Dieses Fundament hat ihn sein ganzes langes Leben getragen.
Und dann: Seine Antwort auf die Frage, „Sind Cezannes gemalte Äpfel per se christlich?“ Nein, lautet die Antwort, das sind sie nicht. Aber sind sie deswegen unchristlich? Man kann doch die ganze Schöpfungsgeschichte darin sehen.
Es geht um den zweiten Blick. Über den Apfel hinaus. Ein Bild ist immer mehr als das, was man auf den ersten Blick sieht. Es gibt das Bild hinter dem Bild, wo wir mit eigenen Erfahrungen ins Spiel kommen und sich Bedeutungsebenen erschließen. „Meine Bilder sind Fragen.“ Nach einem ‚Mehr‘ und nach dem ‚Dahinter.‘
Dasselbe gilt für das Altarbild „Kreuztrilogie“, dass Gerd Winner 1987 in unserer Kirche geschaffen hat. Die Zeichen auf den Bildtafeln haben ihren Ursprung auf der Straße. Es sind Straßenmarkierungen, um den Verkehr zu leiten. Sie sind zerrissen, aufgeplatzt, durchgestrichen, übermalt und durchkreuzt immer wieder. Oft sehen sie aus wie ein Piktogramm der Orientierungslosigkeit. Gerd Winner hat diese Fundstücke von Kreuzen auf der Straße abfotografiert und künstlerisch zu den großen Zeichen des Kreuzes verarbeitet. Mit drei Schauseiten zeigt sich das Kreuz: „Incarnatio“, Menschwerdung – „Passio“ , Leiden und Tod – und „Glorificatio“, Auferstehung. Es sind die Themen, die den christlichen Glauben ausmachen. Das Kreuz auf der Straße, das viele Menschen zu tragen haben, muss im Kirchenraum präsent sein.
In der Osterzeit zeigt sich „Glorificatio“, das Auferstehungsbild – feurig voller Licht und Leben. Alle Kreuzzeichen erscheinen als Fragmente. Mit dem trinitarischen Zeichen in der Spitze – wie ein bergendes Zelt.
Lieber Gerd, wir sehen Dich in Deinen Bildern und denken an Dich in großer Dankbarkeit. Jesus sagt im Johannesevangelium: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“. Daran hast Du geglaubt, darauf hast Du gehofft. Wir beten, dass Gott Dich aufnimmt in sein Reich des Friedens.
P. Hans-Albert Gunk OP

(Foto: Bistum Hildesheim)
Gerd Winner
* 08. Oktober 1936 + 08. April 2026
Podcast zum Requiem
Gedenken an Gerd Winner (+ 8.4.2026)
mit Pater Hans-Albert Gunk OP
Ansehen (mp4, 28MB, 12:18 min.)


